Die globale Erderwärmung sollte nicht mehr als 2°C erreichen

Bei der Weltklimakonferenz im Dezember 2010 in Cancún haben über 190 Länder den Willen bekundet, den Anstieg der globalen Erwärmung auf 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Damit soll verhindert werden, dass in menschlichen Zeiträumen nicht mehr umkehrbare Veränderungen geschehen wie z.B. das Abschmelzen des arktischen Eispanzers: dort nahm die Temperatur bodennaher Luftschichten in der Zeit zwischen 1981 und 2003 im Mittel um 0,54°C pro Jahrzehnt zu (mittlere globale Erwärmung in den letzten 100 Jahren insgesamt ca. 0,8°C).

Eine im März 2012 veröffentlichte Studie des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung kommt zu dem Ergebnis, es könne schon eine globale durchschnittliche Erwärmung von 1,6° C dazu führen, dass das arktische Eis unwiderruflich verschwindet.

Die kritische Marke für die Verfehlung des 2Grad-Ziels wird laut Modellrechnungen erreicht bei:                    

einer langfristigen atmosphärische CO2-Konzentration von                                             max. 450 ppm

2011 betrug die CO2-Konzentration nach Steigerung um 2,6 % gegenüber 2010                    390  ppm

vorindustriell lag sie bei                                                                                                             280  ppm

Laut Wissenschaftlichem Beirat der Bundesregierung Globale Umweltfragen (Sondergutachten 2009: Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz, WBGU, 2009) lautet die Bedingung für die Begrenzung der CO2-Konzentration auf 450 ppm:       (Wahrscheinlichkeit Zielerreichung : Zielverfehlung = 2 : 3)

CO2-Emissionen                aus fossilen Quellen                         Budget

in den Jahren:                      2000 – 2050                         max. 1.100 Mrd. t

schon emittiert:                     2000 – 2009                                    350 Mrd. t        ein Drittel schon verbraucht in 10 Jahren

                                             2010 –2050                         max.   750 Mrd. t        zwei Drittel davon noch „frei“ für 40 Jahre

                             Jahresemission 2050                        max.     13 Mrd. t *

(Jahresemission 2010                                     33 Mrd. t)

* Die genannten 13 Mrd. t für 2050 entsprechen der erwarteten jährlichen natürlichen Absorptionskapazität der Ozeane und der z.Zt. vorhandenen Wälder.

 

Das Klima bleibt stabil, solange CO2-Emission und CO2-Absorption sich in etwa die Waage halten:

Seit Jahrzehnten aber wird dies Gleichgewicht zunehmend gestört:

In 2010 wurden im Verhältnis zu den von Menschen im Jahr 2010 verursachten CO2-Emissionen 24% durch die Ozeane und 26% durch die vorhandenen Wälder der Luft wieder entzogen. 50% sind in der Luft verblieben; s. GlobalCarbonProject

Der Umstand, dass seit Jahrzehnten riesige Mengen an CO2-Emissionen mehr emittiert werden, als von der Natur der Luft wieder entzogen wird, führt (höchstwahrscheinlich) zum Klimawandel:

Für die dringend erforderliche Wiederherstellung des Gleichgewichts im Kohlenstoffkreislauf gibt es zwei Wege:

 

Weg 1:                 Absenkung der CO2-Emissionen auf das natürliche Absorptionsniveau…

… durch Reduzierung der CO2-Emissionen auf zumindest das Maß, das einem stabilen Kohlkenstoffkreislauf entspricht.

Das bedeutet angesichts des für 2010-2050 evtl. noch verkraftbaren CO2-Budgets von insgesamt 750 Mrd. t, der derzeitigen energiebedingten Jahresemission von 33 Mrd. t (Tendenz steigend) und der derzeitigen natürlichen Absorptionskapazität von insgesamt etwa 17 Mrd. t p.a. (ca. 4 Mrd. t p.a. anzurechnen auf Waldzerstörungen; verbleiben 13 Mrd. t p.a. bzgl. der Verbrennung fossiler Stoffe), dass eine jährliche Emissionsreduktion von etwa 1 Mrd. t* CO2 (linear betrachtet) nötig wäre.

Sollen gesellschaftsgefährdende Wohlstandsverluste vermieden werden, halten Wirtschaftswissenschaftler allerdings höchstens eine jährliche Verminderung von 0,5 Mrd. t energiebedingter CO2-Emissionen für machbar (linear betrachtet). Das 2°-Ziel wäre somit schon nicht mehr erreichbar.

 

Weg 2: Glücklicherweise gibt es noch einen Joker, den die Menschheit (einmal) ziehen kann: die Waldoption!

 

(Grafiken in diesem Text: Horst Emse; Quelle: PRIMAKLIMA -weltweit- e.V.)